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26.09.2018

Von: Susanne Suhr

Update zum Lachwald

Jeder Wald verändert sich. Wie der Lachwald sich in der Zukunft entwickeln soll, wurde am 16.09.2018 von Forstbezirksleiter Dr. Thomas Eichkorn und Revierleiter Christian Haag vom Landratsamt Karlsruhe vorgestellt. Die Agenda-Gruppe „Natur und Umwelt“ hatte hierzu eine Führung im Lachwald organisiert. Zahlreiche Anwohner*innen, Naturinteressierte, Frau Terlinden-Steinig vom BUND sowie die Grünen mit nahezu allen Gemeinderätinnen und -räten waren anwesend und so kam es zu einem regen und sehr intensiven Austausch.

Der Lachwald wird als Gemeindewald vom Forstamt des Landratamtes Karlsruhe bewirtschaftet. Dr. Eichkorn erklärte, dass Basis dieser Arbeit das aktuell erstellte sogenannte „Forsteinrichtungwerk“ 2017-2026 sei. In diesem umfassenden Planwerk werde für den Zeitraum bis 2026 festgelegt, wie die gemeindeeigenen und staatlichen Wälder im Landkreis Karlsruhe nachhaltig bewirtschaftet werden sollen. Die nachhaltige Forstwirtschaft habe dabei als primäres Ziel die Ökologie. Das Interesse, einen Nutzwald zu haben, stehe nicht im Mittelpunkt. Dennoch sei es auch Ziel des Forstamtes, Holzvorräte über die Steuerung des Waldbewuchses aufzubauen.

Für den 10,5 Hektar umfassenden Lachwald ist zunächst im Forsteinrichtungswerk festgehalten, dass es sich um einen Mischwald mit rund 70 jährigem Kiefernbestand handelt. Ziel der Arbeit des Forstamtes im Lachwald sei die Mischbaumförderung sowie die Förderung des Bestandes und der Verjüngung der Eichen.

Dass der Mensch überhaupt eingreift, habe neben dem zweitrangigen Interesse an der wirtschaftlichen Nutzung vor allem folgenden Hintergrund: Jeder Wald verändert sich jedes Jahr. Das Wachstum der Bäume führt dazu, dass der Wald enger wird. Greift der Mensch in den Bewuchs des Waldes nicht ein, so setzten sich im Lachwald die schnellwachsenden Bäume mit weniger Lichtbedarf durch. Es entstünde ein sogenannter Schattenwald. Denn im Lachwald stehen schon jetzt die Bäume sehr dicht beisammen. Die Kronen der Bäume nehmen sich gegenseitig Licht weg, so dass wenig Licht auf den Boden gelangt und eine Verjüngung von lichtliebenden Bäumen kaum stattfindet. Damit verschwindet über Jahrzehnte insbesondere die heimische Eiche und es würde sich wohl vor allem die Buche durchsetzen.

Weshalb sind Eichen aus nachhaltiger Sicht wertvoller anzusehen?
Die Eiche wird als sehr schützenswert eingestuft. Es wurde erläutert, dass sie die Besonderheit habe, dass sie bereits kurz nach der Eiszeit in unsere Regionen eingewandert sei. So hätten Insekten, Tiere und andere Pflanzen deutlich länger Zeit gehabt, sich an die Eiche als Wohnort zu gewöhnen, als es bei später heimisch gewordenen Bäumen der Fall sei. Es gibt auf der Eiche daher deutlich mehr Bewohner als auf anderen Baumarten, und hierbei auch einige monophage Arten, also solche, die sich auf die Eiche als Nahrungsquelle spezialisiert haben. Über 500 holzbrütende Käferarten und bis zu 180 Schmetterlingsarten bewohnen eine Eiche und profitieren von ihrem Bestand.

Der Anteil der heimischen Eichen am Bestand des Lachwalds beträgt 10 Prozent. Dies ist mehr als im Hardtwald. Jedoch sei der Bestand durch die eng beieinanderstehenden Bäume und dichten Kronen stark gefährdet und eine Verjüngung könne aufgrund des Schattens am Boden nicht erfolgen. Der Bestand sollte jedoch umsorgt werden, denn der Versuch von Neupflanzungen von Eichen zeigte in den letzten Jahren immer wieder, dass diese gerade mit der enormen Trockenheit kämpfen und vermehrt absterben. Auch von der amerikanischen Roteiche werde unsere heimische Eiche aufgrund des langsameren Wachstums verdrängt.

Wie erfolgt im Detail die Bewirtschaftung im Lachwald bis 2026?
Es gibt Grundprinzipien wonach die Forstwirtschaft festlegt, welche Bäume bestehen bleiben und welche geschlagen werden. Die Einordnung erfolgt nach den Kriterien Vitalität (Gesundheit), Stabilität (bewertet nach Höhe/Durchmesser) und Qualität, so die Vertreter des Forstamts. Das bedeute jedoch nicht, darauf wurde auf Nachfrage ausdrücklich hingewiesen, dass Totholz und Bäume mit toten Ästen herausgeschlagen werden. Hierfür sei einzig die Bewertung nach der Verkehrssicherheit maßgeblich. Denn Totholz biete zahlreichen Arten Unterschlupf und werde daher im Wald zu belassen.

Vom Forstamt werden in der nächsten Zeit im Lachwald sog. Zukunftsbäume (Z-Bäume) für den „Übermorgenwald“ bestimmt. Um hierüber aufzuklären und Verständnis zu erzeugen, bat Herr Haag im Rahmen der Führung die Anwesenden darum, in Gruppen selbst zu bestimmen, welche Bäume bestehen bleiben sollten und welche zu deren Erhalt jedoch herausgenommen werden müssten. Gelernt, dass die Eiche besonders erhaltenswert ist, wurden vor allem Eichen als Z-Bäume definiert. In der Höhe stehende, sehr schöne Buchen, müssten für deren Erhalt jedoch gefällt werden. Der Blick in die Kronen und in die Fläche zeigt, wie eng die Bäume im Lachwald stehen und dass es doch sehr viele „Nicht-Z-Bäume“ gibt. Die Begründung der Maßnahmen ist einleuchtend, und beruhigend an dieser Stelle sei anzumerken, dass die diese über 10 Jahre hinweg erfolgen. Für die Bewirtschaftung bis 2026 wird der Lachwald in zwei Hälften geteilt (Nord und Süd). Begonnen werde, so Revierleiter Haag, im nördlichen Teil, in welchem der Eichenbestand höher sei. Unterstämmige Bäume blieben stehen. Sie störten die großen Bäume im Kronenbereich nicht und ermöglichten das Wachstum gestufter Wälder zu haben. Der Waldrand sollte am Besten mit Sträuchern bewachsen sein, wie zum Beispiel Holunder und Haselnuss.

Herr Haag verwies ausdrücklich darauf, dass das Baumfällen ein Eingriff mit Maschinen und Lärm ist. Es solle so pfleglich wie möglich durchgeführt werden und im Amtsblatt werde jeweils vorab eine Information an die Bevölkerung gehen.

Im „Forsteinrichtungswerk“ ist die Menge des Holzes, welches dem Wald entnommen werden darf, festgelegt. Sollte ein Revierleiter mehr Festmeter herausnehmen lassen, als darin pro jahr vorgegeben, so müsste in den Folgejahren weniger entnommen werden. Sturmschäden oder - wie in diesem Jahr - Hitzeschäden führen zu stärkerem Einschlag und müssten vom Revierleiter eingeplant werden.

Im Rahmen der Begehung kam es zur Frage, weshalb an manchen Bäumen im Lachwald Nummernschilder angebracht sind. Es handle sich hierbei zum Teil um Bäume am Rand des Spielplatzes, welche aus Verkehrssicherungsgründen unter Beobachtung der Stadt Stutensee stünden. Andere Bäume wiederum hätten als besonders naturschutzrelevant kennzeichnende Nummern erhalten. So, wenn der Baum beispielsweise Hirschkäfer beheimatet oder Nisthöhlen aufweise.

Revierleiter Haag stellte eine wunderschöne Ulme im Lachwald vor und erläuterte, dass dieser Baum in ganz Europa fast vom Aussterben bedroht sei, da unter anderem in den 80er Jahren über einen Käfer ein Pilzbefall erfolgte und zahlreiche Bäume abgestorben seien. Umso wichtiger sei es, die Ulme im Lachwald zu erhalten.

Die Fichte spiele im Lachwald dagegen keine große Rolle, so dass der Befall dieser Baumart mit dem Buchdrucker genannten Fichtenborkenkäfer für Herrn Haag kein Problem darstelle. Die Fichte solle derzeit nicht geschlagen werden, da der Preis auf dem Markt aufgrund des Befalls in anderen Wäldern bereits sehr niedrig sei. Aus Sicht des Forstamts sollte lediglich käferbefallenes Fichtenholz geschlagen werden.

Das Efeu schade den Bäumen übrigens nicht. Es ist für das Ökosystem von großer Bedeutung, da es spät im Jahr blüht und Beeren bekommt, so dass das Efeu für die Insekten eine späte Nahrungsquelle ist und für die Vögel im Herbst und Winter Nahrung bietet. Die Mistel, welche insbesondere die Kiefern befällt, kann jedoch den Baum schädigen. Sie saugt Flüssigkeit aus den Bäumen und führt daher dazu, dass sie in trockenen Jahreszeiten zu wenig Wasser zum Überleben haben. Sie sterben langsam ab. Daher wird die Kiefer bei starkem Befall gegebenenfalls aus Verkehrssicherungsgründen gefällt.

Auf die Nachfrage zum Grundwasser teilte Herr Haag mit, dass fast keine Bäume bei uns Zugang zum Grundwasser hätten. Allerdings komme vom Grundwasser das sogenannte Kapillarwasser hoch, welches entscheidend für die Bäume sei, so dass die Absenkung des Grundwassers zumindest indirekte Auswirkungen habe.

Eine Bitte an die Bevölkerung richteten Herr Dr. Eichkorn und Herr Haag: Hundehaufen seien bitte mitzunehmen und fachgerecht zu entsorgen. Abfälle, insbesondere Biomüll dürfe nicht im Wald abgelagert werden, denn darin unter Umständen enthaltene Reste nicht-heimischer Pflanzen können wieder anwachsen und verdrängen die heimischen Arten.

Der Wald als Ökosystem ist enorm spannend. Im Oktober werden die von den Lachwaldfreunden aufgehängten Nistkästen gereinigt und für den Frühling bereit gemacht. Wir freuen uns sehr, die weitere Entwicklung des Lachwalds mitzuerleben und mitzugestalten.

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