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Das 1. Nachhaltigkeitsziel „Keine Armut“

24.03.20 –

Die negativen Auswirkungen von Armut können sich in der Coronakrise noch weiter verschärfen, da arme Menschen weniger Möglichkeiten haben, sich auf die veränderte Situation anzupassen und von den bisher geplanten Rettungsmaßnahmen kaum profitieren.

Weltweit ist Armut ein Problem, das mit vielen anderen Problemen wie schlechte Gesundheit, geringe Bildung, schlechte Wasserver- und Abwasserentsorgung, geringere Partizipation, geringe Aufstiegschancen u.a. zu tun haben. Von absoluter Armut, dies sind Personen, die weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag zur Verfügung haben, sind weltweit ca. 700 Mio. Menschen betroffen. In Deutschland gibt es diese Form der Armut kaum, da hier in der Regel ein entsprechendes soziales Sicherungssystem greift. Aber auch hier gibt es Menschen, die durch dieses Sicherungsnetz fallen.

Entwicklung der Armutsgefährdungsquote in Deutschland

In Deutschland erhielten 7,6 Millionen Menschen am Jahresende 2018 Transferleistungen der sozialen Mindestsicherungssysteme, um ihren grundlegenden Lebensunterhalt zu bestreiten. Damit war rund jeder elfte (9,2 %) in Deutschland lebende Mensch auf existenzsichernde finanzielle Hilfen des Staates angewiesen. In Baden-Württemberg liegt der Anteil zwar niedriger, aber auch immer noch bei 5,6 % der Bevölkerung. Besonders betroffen sind Frauen, Alleinerziehende und Rentner*innen.

Die derzeitigen Einschränkungen im Zusammenhang mir der Coronakrise treffen uns alle. Aber Menschen mit beschränkten finanziellen Mitteln treffen sie deutlich härter.  Wenn Familien auf engerem Raum zusammensitzen, ist für Kinder dieser Familien das selbstständige Erarbeiten von Schulstoff zu Hause, oft ein deutlich größeres Problem, als wenn ein Schulkind z.B. über ein eigenes Zimmer verfügt. Neben den beengten Platzverhältnissen, die oft keinen Raum für konzentriertes Arbeiten lassen, verfügen diese Haushalte oft nicht über die technischen Möglichkeiten, wie zum Beispiel einen Drucker. Außerdem sind die Eltern vielleicht gar nicht in der Lage, ihnen zu helfen, was schon unter normalen Bedingungen ein Problem darstellt, jetzt aber noch stärker durchschlägt. Kinder aus armen Familien haben schon unter normalen Bedingungen einen Nachteil, was sich auch darin zeigt, dass Bildungserfolg in Baden-Württemberg stark vom Elternhaus abhängig ist. Je nachdem, wie lange die Schulschließungen dauern, werden sich die bestehenden Bildungslücken weiter vergrößern.

Zwar gibt es in Deutschland keine allgemeine Versorgungskrise bei Gütern des täglichen Bedarfs wie z.B. Lebensmitteln, aber das Angebot von Produkten z.B. aus jedem Preissegment ist z.T. eingeschränkt. Während Menschen mit normalem Einkommen relativ problemlos auf noch vorhandene teure Produkte ausweichen können, so ist dies für arme Menschen nicht immer möglich.

Auch die systemrelevanten Angebote für Arme, wie Tafelläden, Dienste für Suchtkranke, Obdachlose und Begegnungsräume für hilfebedürfte Familien haben ihre Angebote z.T. eingeschränkt um Mitarbeiter*innen ebenso wie Hilfesuchende ausreichend vor dem Virus zu schützen. Diese Angebote sind für diese hilfebedürftigen Personengruppen aber oft existenziell und ermöglichen soziale Teilhabe.

Um zu verhindern, dass sich arme Menschen nicht mehr versorgen können und noch stärker geschwächt werden, was ihre Überlebenschancen im Falle eine Coronainfektion noch mehr verringert, sollte für diese Personengruppe ein schneller und unbürokratischer Krisenmechanismus, wie z. B. ein Zuschlag auf alle Sozialleistungen erfolgen. Die bei Hartz IV üblichen Regeln, wonach zunächst alles Angesparte inklusive der eigenen Altersvorsorge aufzubrauchen ist, treffen viele hart. Diese sollten aufgehoben werden. Neben dem aktuell aufgelegten „Schutzschild für Beschäftigte und Unternehmen“ ist es wichtig, dass Sozialleistungsbezieher*innen jetzt kurzfristig mehr Geld vom Staat erhalten. Es muss sichergestellt werden, dass sich diese Menschen den ganz normalen Supermarkteinkauf derzeit leisten können.

Und was kann jeder Einzelne tun?

Es gibt bereits erfreulich viele Initiativen, in denen zum z.B. Jüngere für Ältere einkaufen oder Unterstützung bei den Hausaufgaben anbieten. Hier kann jedEr Einzelne sich engagieren, indem man sich anbietet für die alleinerziehende Nachbarin mit einzukaufen. Wir können diese Herausforderungen nur gemeinsam als Gesellschaft meistern.

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